Introvertiert? Oder extrovertiert?

Mir persönlich ist es ja recht egal, ob man es jetzt introvertiert oder extrovertiert nennen will. Man sollte Menschen nicht in Schubladen stecken. Und trotzdem kommt es mir immer wieder so rüber, als wäre es schlecht, mehr introvertiert als extrovertiert zu sein. Wieso denn eigentlich? Und was bin denn ich?

Sam Cadosch - introvertiert - cover edited

Früher war für mich nie ganz klar, ob ich jetzt ein kontaktfreudiger Mensch bin oder nicht. Ob ich gerne im Mittelpunkt stehe und viel Lärm um mich brauche. Ich wusste nicht, ob ich ein extrovertierter Mensch bin oder nicht. Denn ich war jeden Tag, bei jedem Wetter mit Freunden unterwegs. Und das machte wohl auch den Eindruck (auf mich und andere), dass ich ein sehr kontaktfreudiger Mensch bin, der es liebt viel zu unternehmen und ständig neue Bekanntschaften zu machen.

Heute weiss ich mehr über mich selbst. Und ich weiss auch, dass das was mich damals für viele Leute ausgemacht hat, nicht ich war. Mir wurde so oft eingeredet, dass ich extrovertiert bin und gerne im Mittelpunkt stehe. Doch als ich dann gemerkt habe, dass das überhaupt nicht stimmt, sondern nur eine Notlösung für gewisse Lebenssituationen war, kam es mir vor, als ob es was Schlechtes ist, mehr introvertiert zu sein. Teilweise wird darüber geschrieben, als ob es sich dabei um eine Krankheit handle.

Und genau deshalb schreibe ich diesen Artikel. Weil ich dazu mal was sagen will. Und weil ihr so mal wieder einen tieferen Einblick in mein Leben bekommt 🤗

Schüchtern, ängstlich, arrogant, kein Selbstvertrauen

Das sind Worte, mit denen ich oft hinter meinem Rücken beschrieben wurde. Schüchtern. Sie traut sich nicht, was zu sagen. Sie hat Angst. Sie hat kein Selbstvertrauen. Alles Reaktionen auf mein Wesen. Oder die gegenteiligen, wie: Sie ist „zu gut“, um mit uns zu reden. So ne arrogante B*tch.

Damals fand ich das echt krass. Wieso die Leute so reagieren auf Menschen, die nicht alle anlabern oder ständig mitreden. Heute ist es mir egal, weil ich weiss, dass die richtigen Menschen wissen, wer und wie ich wirklich bin.

Wenig Freunde

Wie viele Freunde ich habe? Die kann ich an einer Hand abzählen. Echte Freunde. Ich habe zwar einige Bekannte und Kontakte. Jedoch zähle ich diese keineswegs zu meinen Freunden. Dafür kenne ich sie zu wenig und sie mich ebenfalls.

Früher war es immer so ein Statussymbol, viele Freunde zu haben. Von allen geliebt zu werden und hundert Nachrichten am Tag zu erhalten.

Ich hatte das nie. Zum Glück. Leute, ich wäre sowas von überfordert mit sowas 😂

Sam Cadosch - introvertiert - sitting on the ground

Small Talk, fuck you!

Ich hasse Small Talk. Das könnt ihr euch nicht vorstellen! Vielleicht ist das auch ein Grund, wieso Menschen, die gerne Small Talk führen oder über Belanglosigkeiten reden, denken ich sei schüchtern oder hätte Angst zu reden. Dem ist nicht so. Ich rede nur nicht gerne mit, wenn ich nichts Sinnvolles zu einem Thema beizutragen habe.

Und ausserdem finde ich, dass Fragen wie „Hey, wie geht’s dir?“ nicht einfach ein Gesprächsanfang sein sollten, sondern eine ernst gemeinte Frage.

Wenn ich jemanden frage, wie es ihm/ihr geht, meine ich das ernst und ich will darauf eine Antwort. Ich frage nicht einfach, damit ich gefragt habe.

Ich brauche eine Pause

Ja, ich brauche öfters Pausen. Um meine Energie wieder aufzuladen. Und je mehr Kontakt ich hatte mit anderen Menschen, desto häufiger muss die Batterie aufgeladen werden. Dabei kommt es aber auch noch auf die Art von Kontakt darauf an.

Ich brauche wirklich Zeit für mich alleine, um durchzuatmen und mich wieder zu sammeln.

Wenn ich irgendwo bin, wo viele Menschen sind, gehe ich auch gerne einfach mal 10min in’s Bad, um alleine zu sein und mich von dem Lärm zu erholen. Und ich finde das ok so.

Ich fühle mich nicht wohl, wenn duzende Leute in meiner Nähe sind und es dann auch noch laut ist. Oder es muss nicht mal laut sein, es reicht schon, wenn mehrere Gespräche in einem Raum geführt werden.

Sam Cadosch - introvertiert - wald

Dankbar, mehr introvertiert zu sein

Und ja, ich bin sehr dankbar dafür, introvertiert zu sein. Denn das hat viele Vorteile. Ich zeige hier mal ein paar auf. Nicht, um mich selbst zu loben 😂, sondern für andere Menschen, die genau wissen, wovon ich hier spreche…

Das hier sind einige Eigenschaften, die ich als Stärke bezeichnen würde:

  • Zuhören ist unsere Stärke
  • Es ist kein Problem für uns, alleine was zu unternehmen oder uns alleine zu beschäftigen
  • Wir haben einen grossen Durchhaltewillen
  • Menschen, die Hilfe benötigen kommen gerne zu uns, weil sie wissen, dass sie Ruhe bekommen, wenn sie sie brauchen.
  • Die Ruhe. Ich finde das alleine schon ist eine der grössten Stärken. Dass wir die Ruhe brauchen und sie deshalb ständig herstellen wollen. Somit sind wir immer nah bei uns selbst.
  • Im Mittelpunkt dürfen gerne die anderen stehen – Bühne frei 🙃

Das sind für mich persönlich die schönsten Punkte. Und es heisst auch nicht, dass extrovertierte Menschen diese Eigenschaften nicht auch haben können. Man ist sowieso nie zu 100% nur auf einer Seite.

Und ausserdem braucht es beide Seiten. Was wäre eine Welt, ohne Menschen, die grosse Events organisieren und aufblühen, wenn sie mit vielen Menschen zu tun haben?

Introvertiert sein ist keine Störung

Manchmal habe ich mich echt gefragt, ob ich behindert bin. Ob irgendwas mit mir falsch ist. Ich habe sogar versucht mir weiss ich was für Eigenschaften anzutrainieren, um mehr extrovertiert zu sein. Es gibt so viele Seiten, die Tipps haben für Introvertierte: „Wie Sie besser Small Talk führen können.“, „Wie sie mehr Freunde gewinnen.“, „Wie auch sie mal der Mittelpunkt der Party sind.“

WER zur Hölle hat denn darum gebeten? Wer sagt denn, dass wir besser werden wollen im Small Talk führen oder dass wir mehr „Freunde“ haben wollen?

Ich finde es ist extrem wichtig, sich selbst sein zu können und nicht zu sein wie es in der Gesellschaft „normal“ ist. Denn nicht alles, was „normal“ ist, ist auch gut. 🙂

Soviel zu mir – aber wie sieht’s bei dir aus? Bist du eher introvertiert oder mehr extrovertiert? Schreib’s mir in die Kommentare ❤ Ich freue mich auf den Austausch mit euch! 


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23 Antworten

  1. Linni sagt:

    Hallöchen,
    als ich deinen Beitrag gelesen habe, ist mir bewusst geworden, dass ich auch nicht beurteilen kann, ob ich introvertiert und extrovertiert bin. Ich bin gerne in Gesellschaft, aber habe mich auch schon als Kind gerne zurückgezogen..

    Schönen 3. Advent!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

  2. wieder ein sehr guter Beitrag meine Liebe!
    für mich selber kann ich auch gar nicht sagen ob ich introvertiert oder extrovertiert bin … das ist halt immer so eine Situationssachen. dass Introvertiertheit aber keine „Krankheit“ ist sollte wirklich mehr Menschen klar sein 😉

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

  3. Kati sagt:

    Ich lebe nach dem Motto „Leben und Leben lassen“! Jeder ist gut so wie er ist….
    LG Kati
    http://www.kuchenkindundkegel.de

  4. Britta sagt:

    Jeder darf so sein wie er ist. Wie das nun definiert oder betitelt wird (oder nicht) ist doch ganz egal, oder?

  5. Carrie sagt:

    Puh das kann ich vin mir selbst noch sagen… das ist wirklich ein interessantes Thema
    http://carrieslifestyle.com

    • Sam Cadosch sagt:

      Ist auch nicht lebenswichtig das zu wissen 🙂 Für mich war es eine grosse Hilfe, weil ich so weiss auf was ich achten kann im Alltag 🙂

  6. Eve sagt:

    Nun… ich frage mich da gerne „wie sehen mich die andern und wie sehe ich mich selbst“ ..
    Nach aussen soll ich viele Anteile des extravertierten haben, so möchten mich die Leute sehen.
    Klar ich leite Seminare, ergo „muss“ ich extravertiert sein 😉

    Ich habe jedoch auch eine introvertierte Seite welche mir ungerne zugestanden wird, weil es nicht „zu meinem Typ“ passt..

    Ich habe mich damit abgefunden 😂

    Ich lebe beides, je nach Situation und der mir gestellten Aufgabe.

    Meine Familie sieht beide Teile und das ist für mich authentisch sein!

    • Sam Cadosch sagt:

      Sehr schön geschrieben, Eve! Danke für deine Worte 🤗

      Ja, jeder soll so leben wie er will und authentisch sein können 🙂 Wichtig ist nur, dass man nicht eine Seite verstärkt nur weil es andere so wollen 🙂

  7. Jil sagt:

    Ich halte mich eher für den extrovertierten Typ – bin aber manchmal auch super gerne alleine und brauche diese Zeit auch für mich. Ich weiß daher gar nicht, ob man das wirklich so streng voneinander trennen kann. Aber ich kann Deine Gedanken sehr gut nachvollziehen 🙂
    Lieben Gruß
    Jil

    • Sam Cadosch sagt:

      Ich finde man muss es auch nicht trennen, wenn man sich nicht danach fühlt 🙂 Die meisten Menschen die ich kenne sind nich zu sehr auf einer Seite ausgeprägt wie ich – wenn man es jedoch ist, kann es helfen, sich damit auseinanderzusetzen 🙂

  8. Lisa sagt:

    Du sprichst mir da aus der Seele! Und ich dachte schon ich wäre die einzige die so tickt… Das hast du wirklich toll geschrieben und es tat gut zu lesen, das man mit diesen Gedanken nicht alleine ist. Leider wird Schüchternheit in unserer Gesellschaft immer noch negativ angesehen. Manchmal empfinde ich es sogar beleidigend wenn man als schüchtern und ohne Selbstvertrauen genannt wird, obwohl man einfach nur so als Mensch ist!

    Liebe Grüße
    Lisa

  9. Derya sagt:

    Wie immer schöner Blogartikel und Gedanken😍 Ich bin eher im 1. Moment extrovertiert. Im tiefen aber introvertiert. Was ich häufig erlebe, dass es introvetierten Menschen echt unangenehm ist, so zu sein. Versuche alle im Laufe meines Lebens zu motivieren, dass sie gut sind, egal wie sie sind. Leider geht die nicht Akzeptanz ja schon im Kindergarten los, indem nicht so auffällige Kinder versucht werden „stärker“ gemacht zu werden. Aber wer sagt denn dass sie das brauchen? Es liegt immer im Auge des Betrachters/Beobachters. Ich finde man sollte Menschen eher darin bestärken, zu fühlen was und wer sie sind und das zum Ausdruck bringen zu können.❤️

    • Sam Cadosch sagt:

      Danke! 🤗

      Ja, ja, ja!!! Genau so sehe ich das auch – du sprichst mir aus der Seele ☺️ Das beste was man für einen Menschen tun kann, ist, ihn in dem was er fühlt zu bestärken, wenn er/sie es brauchen kann. ❤️

  10. „Und je mehr Kontakt ich hatte mit anderen Menschen, desto häufiger muss die Batterie aufgeladen werden.“ …das kann ich so unterschreiben. Vor allem oberflächlicher Smalltalk kann einfach so viel Energie rauben, die ich lieber für andere Dinge einsetze. Sehr schöner Beitrag, da erkenne ich mich bei einigen Punkten wieder!

    Alles Liebe,
    Verena
    whoismocca.com

    • Sam Cadosch sagt:

      Haha oh ja dieser Teil ist seeehr ausgeprägt bei mir 🙈 Aber seit ich das weiss, kann ich damit umgehen und find’s gar nicht mal schlecht 🤗

      Danke, Verena 🙂

  11. Sandra | truebluebird.de sagt:

    Guten Abend.
    Introvertiert oder Extrovertiert. Wie Britta schon schreibt, ist doch egal. Hauptsache ist das Menschsein. Herz haben.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

    • Sam Cadosch sagt:

      Ja! Auf jeden Fall 🙂

      Dieser Artikel soll wie gesagt nicht Menschen in eine Schublade stecken. Das ist das, was ich am Anfang gemeint habe 🙂 Mir hat es auf jeden Fall geholfen, meine Eigenschaften einschätzen zu lernen 🙂 Wer das nicht braucht, muss nicht und wird nicht ☺️

  12. Avaganza sagt:

    Liebe Sam,

    kann das gut nachfühlen … ich ziehe mich auch oft zurück, weil ich Zeit für mich brauche. Das wirkt auf andere oft arrogant … auch weil mir Small Talk nicht so liegt. Schade dass man von andere schnell in eine Schublade gesteckt wird…

    Schöner Beitrag!
    Liebe Grüße
    Verena

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