Weinen als Therapie? Naja vielleicht ist Therapie ein bisschen krass ausgedrückt. Aber irgendwie ist es ja therapierend, also Therapie.

Eigentlich wollte ich über ein anderes Thema schreiben heute. Dieses hier passt aber viel besser zu meiner momentanen Situation, denn in letzter Zeit (im Vergleich zu sonst) habe ich ziemlich oft geweint. Teilweise auch fast absichtlich. Aber dazu unten mehr.

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Weinen ist NICHT schwach

Irgendwie finde ich es immer noch komisch, dass wir in einer Welt leben, in der Weinen als etwas schwaches angesehen wird. Wieso überhaupt?

Früher, als wir Babys waren, war Weinen zur Kommunikation da. Wir haben ausgedrückt, dass wir etwas brauchen, oder etwas nicht stimmt. Weinen ist wie Lachen – egal welche Sprache die Menschen sprechen – jeder Mensch kann lachen und weinen. Es ist eigentlich etwas ganz Normales und trotzdem versteckt man sich, wenn man es tut oder lässt es eben ganz sein.

Ich kenne SO viele Menschen, die nicht weinen. Sie sagen selbst, dass weinen schwach ist und dass es nichts bringt. Oft sind es Männer, die dieser Ansicht sind und sich das Weinen „abtrainiert“ haben. 

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Meiner Meinung nach ist weinen viel stärker, als das Weinen zu unterdrücken und nicht zuzulassen. Ausserdem kann ich die Aussage, dass es nichts bringt überhaupt nicht unterschreiben.

Warum ich nicht mehr geweint habe

Es gab eine Zeit in meiner Jugend, da habe ich dieses Mindset auch übernommen. Dass weinen schlecht ist. Und ich war übrigens kein Mensch, der ständig in aller Öffentlichkeit zu weinen angefangen hätte. Ich habe oft alleine zu Hause geweint, weil einfach sehr vieles passiert ist in meiner Kindheit/Jugend.

Irgendwann habe ich aber ebenfalls die Meinung übernommen, dass das schwach und einfach nicht gut ist. Deshalb habe ich aufgehört und es unterdrück. Das funktioniert bei mir nicht immer, weil ich sehr nah am Wasser gebaut bin ? Aber ich habe immer mit aller Kraft alles zurückgehalten, solange ich es konnte. 

Und das war so unglaublich ungesund für mich. 

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Gerade jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass genau das meine „Süchte“ ausgelöst hat. Ich habe angefangen zu rauchen und bekam ein extrem ungesundes, gestörtes Essverhalten. Diese zwei Dinge haben sozusagen das Weinen ersetzt.

Bis mir eines Tages klar wurde, dass ich mein Leben wieder selbst in die Hand nehmen werde, dass ich ab heute auf eigenen Füssen stehen werde und mich um meine physische- und mentale Gesundheit kümmern werde. 

Ich habe damals nicht bewusst entschieden, dass ich jetzt wieder anfange zu weinen und Gefühle zuzulassen – das ist automatisch passiert.

Mit den Tränen kam die Gesundheit

Es war krass, wie schnell es damals (Anfang 2014) aufwärts ging. Ich habe angefangen, mich mit Persönlichkeitsentwicklung, Achtsamkeit und meinen Wünschen und Träumen zu befassen.

Statt ständig vor meinen Problemen wegzulaufen und sie mit irgendwas zu überdecken, habe ich angefangen viel Zeit mit mir selbst zu verbringen und das ganze innerliche Chaos aufzuräumen. Und da kamen auch die Tränen wieder zurück. Tränen, die ich endlich wieder zulassen konnte.

Ich versuche diesen Artikel hier nicht zu persönlich zu machen, weil’s nicht um meine Geschichten gehen soll. Ich versuche bloss meine Erfahrungen damit aufzuzeigen, damit klarer wird, was dieser Artikel hier bewirken kann. 🙂 Trotzdem muss ich euch jetzt eine „Geschichte“ erzählen, die in meinem Leben immer wieder passiert. Gerade gestern auch wieder.

Weinen ist eine Erlösung

Gestern Abend ging’s mir nicht gut. Ich habe mich richtig schlecht gefühlt und wusste gar nicht so wirklich warum. Deshalb bin ich schon um 20:30 Uhr in’s Bett gegangen und habe versucht zu schlafen – was nicht funktioniert hat, weil ich nicht gut atmen konnte. Es fühlte sich an, als würde ein Fels auf meiner Brust liegen. Ich bekam wirklich schlecht Luft und es war sehr anstrengend, zu atmen. Mein ganzer Rücken hat sich bei jedem mal Einatmen so dermassen verkrampft, dass ich es heute noch spüre. 

Irgendwann habe ich mich im Bett dann aufgesetzt, weil ich so besser (fast problemlos) atmen konnte. Aber ich wusste nicht, wieso ich überhaupt so schlecht Luft bekam. Das alles hat mich mit der Zeit so sehr belastet, dass ich gemerkt habe, ich muss gleich weinen. 

Es war aber die Art von weinen, die ich locker zurückhalten hätte können. Das habe ich aber nicht getan, sondern habe absichtlich angefangen zu weinen. Ich habe wie ein kleines Kind die Tränen rausgedrückt und muss dabei echt bescheuert ausgesehen haben. So wie Menschen eben aussehen, wenn sie ungehemmt einfach losheulen.

Und guess what: Nach diesem „Heulanfall“ konnte ich atmen! Ich bekam wieder normal Luft und konnte kurz darauf sogar einschlafen. 

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Photo by Brooke Cagle on Unsplash

Ich weiss auch heute nicht genau, was das war. Wieso ich mich überhaupt so schlecht gefühlt habe. Wahrscheinlich war es einfach eine Ansammlung an Stress der letzten Wochen, die irgendwann zu viel wurde. Keine Ahnung. Aber ist doch auch egal, oder? Hauptsache die Last sitzt nicht mehr auf meinen Schultern.

Genau dieses Szenario, das ich gestern erlebt habe, habe ich schon ein paar Mal erlebt. Vor allem, wenn auch körperliche Symptome dazu kommen, die immer schlimmer werden, hat Weinen schon so oft alles einfach weggeblasen, als wäre nie was da gewesen. 

Nicht nur die Seele ist traurig, sondern auch dein Körper

Ich finde es ziemlich interessant, wie ich bei mir selbst so gut beobachten kann, wie schnell der Körper reagiert, wenn es mir mental, seelisch, wie auch immer, nicht so gut geht. Bei mir reagiert der Körper meistens schon bevor es innerlich wirklich unaushaltbar wird.

Bei den meisten Menschen ist das wahrscheinlich nicht so. Ich habe auf jeden Fall noch nie jemanden getroffen, der so schnell körperliche Symptome bekommt, die dann auch noch so laut sind. Aber eigentlich tut es jeder Körper. Er zeigt sehr gut, auf was wir achten müssen, oder wann wir eine Pause brauchen. 

Früher hatte ich extreme Angst vor Flügen und dem Schulbeginn nach langen Sommerferien. Diese zwei Dinge haben mich so dermassen gestresst, dass ich dann immer mega schlechte Haut bekam. Klar, habe ich Neurodermitis und da ist es vielleicht etwas anders. Aber schon damals wusste ich, dass so vieles von Innen ausgelöst wird. Manchmal ist es schwer, die Ursache zu finden, aber allein schon dieses Wissen ist unendlich wertvoll, weil es eine grosse Portion Achtsamkeit in’s Leben bringt.

Ich denke auch, dass Grippen nur da sind, um uns mal zu bremsen und uns (liebevoll) zu zwingen, mal im Bett zu bleiben und nichts zu tun.

Weinen ist unglaublich stark

Warum weinen so einen schlechten Ruf hat und vielfach als lächerlich, schwach oder was weiss ich, bezeichnet wird, verstehe ich nicht.

Eigentlich ist es doch viel stärker, einfach mal „in Ruhe zu weinen“. Also für mich persönlich ist das Heilung. Ich fühle mich danach IMMER viel besser und finde oft direkt danach eine Lösung für mein Problem. 

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Ausserdem ist es stark, wenn man in der Lage ist, Gefühle zu beobachten, anzunehmen und sich Zeit für sie zu nehmen. Es ist stark, sich zuzugestehen, dass es gerade schwierig ist und einfach mal loszuheulen. Es ist stark, so mutig zu sein, dass du deine Gefühle nicht einfach verdrängst oder überdeckst, sondern sie rauslässt und dich somit mit ihnen konfrontierst.

Für mich ist Weinen auch ein wichtiger Bestandteil der Reflexion. Durch diese Momente, in denen wir nicht so tun, als wäre alles okay, bringen oft sehr viel Klarheit an’s Licht und helfen dabei, das Leben immer bewusster zu leben. 

In der Öffentlichkeit den Tränen freien Lauf lassen

Vor Kurzem habe ich einen Podcast gehört, wo ein Interview mit einem Mann geführt wurde. Leider weiss ich gerade nicht mehr, wie er hiess. Auf jeden Fall hat er eine ziemlich schwere Vergangenheit hinter sich – auch weil er homosexuell ist und das früher sehr schwer war für ihn, weil es nicht akzeptiert wurde.

Heute geht’s ihm sehr gut. Der Grund dafür sei unteranderem, dass er gelernt habe, seine Gefühle rauszulassen. Sie zu leben. Er geht dabei so weit, dass es ihm auch egal ist, wo er sich befindet. Wenn er im vollen Zug sitzt und ihm nach weinen ist, dann tut er es. Egal, was die anderen davon halten. 

Genau sowas finde ich mega stark und bewundernswert! Wir machen nämlich viel zu viele Dinge, nur damit die anderen nicht blöd von uns denken. Teilweise sind „die anderen“ sogar Menschen, die wir gar nicht kennen und wahrscheinlich nie wieder sehen werden. 

Ist das nicht krass?

Was denkst du zu diesem Thema? Welchen Stellenwert hat „weinen“ in deinem Leben und wie siehst du das im Allgemeinen? Schreib’s mir in die Kommentare. ❤️


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