Well… wo soll ich überhaupt anfangen. Ich weiss gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal hier etwas veröffentlich habe. Es ist echt schon eine Weile her und ich weiss gar nicht so genau warum. Wahrscheinlich weil ich Angst habe. Nicht vorm Schreiben, oder vorm Veröffentlichen. Sondern vor so vielen Dingen, dass ich gar nicht mehr weiss, wo ich anfangen soll. Ich liebe das Schreiben und es begleitet mich nach wie vor täglich im Leben. Oft denke ich auch daran, dass ich über dies oder das hier auf dem Blog schreiben könnte. Aber dann lass‘ ich’s einfach sein, weil ich Angst habe, dass es nicht relevant genug ist. Und genau das ist totaler Bullshit.

Dieses Jahr ist crazy und so vieles ist passiert in meinem Leben. Viel Gutes auch und ich bin echt in vielen Bereichen wirklich vorwärts gekommen. Es kam auch eine gewisse Sicherheit im Alltag dazu, die ich vorher 2 Jahre lang nicht mehr hatte, weil ich Ende 2016 meinen Job gekündigt habe.

Sicherheit mag jetzt für viele die das hier lesen positiv klingen. In meinen Augen ist es das nicht unbedingt. Sicherheit (falls es die überhaupt wirklich gibt), ist bequem und lässt uns manchmal durchatmen, mit dem Wissen, dass die Welt nicht untergeht, wenn wir kurz stehen bleiben, statt immer weiter zu rennen. Anfangs habe ich dieses Gefühl richtig genossen und es hat gut getan. Die letzten 2 Jahre vor 2019 habe ich nämlich extrem viel gemacht und war nur noch am produzieren und am kreieren. Als ich Anfang diesen Jahres endlich mal durchatmen konnte, hat sich das super angefühlt. Jetzt, 8 Monate später, merke ich, dass ich zu lange in diesem Gefühl verweilt habe. Ich meine, es ist nicht so, dass ich nichts gemacht habe. Ich habe sehr viel gemacht. Aber ich bin nicht mehr so an’s Limit gegangen und habe fast nichts mehr für mich selbst kreiert.

Ich habe meine Skills verbessert und viele schöne Erfahrungen mit Kunden gemacht. Aber irgendwie habe ich immer einfach nur das erledigt, was für andere war und danach aufgehört. Die kreative Energie war wie weg, um mich dann auch noch hinzusetzen und was für mich auf die Beine zu stellen. Und dadurch ist auch die Angst wieder gewachsen. Die Angst vor so vielem. Es reicht nicht, eine Angst einmal zu überwinden, damit sie weg ist. Man muss es immer wieder tun und es zur Gewohnheit werden lassen, diese Angst zu überwinden. Konfrontation.

Sammy C - Angst, ich habe Angst

Photo by Melanie Wasser on Unsplash

Angst bzw. Mut ist ein Muskel

Mittlerweile sehe ich Mut als einen Muskel. Ich nehme hier einfach mal Mut als Gegenteil von Angst. Obwohl ich gerade nicht weiss, ob Mut das richtige Wort dafür ist. In meinem Fall wäre das Gegenteil von Angst eher „auf andere Meinungen scheissen“. Ich schreibe diesen Blogpost hier über mehrere Tage und ergänze immer wieder was, wenn ich wieder ein Beispiel habe.
Heute ist ein guter Tag dafür, denn mir ist heute aufgefallen, dass ich mir gar nicht bewusst bin, was ich kann. In meinem Kopf mache ich mich selbst immer kleiner, als ich bin und habe das Gefühl, dass mein Können gar nicht wirklich erwähnenswert ist. Gestern hatte ich eine halbe Panikattacke weil ich einen Auftrag erhalten habe, bei dem ich nicht wusste, wie ich die Sache überhaupt angehen soll. Ein Kunde hat mir ganz wirre Zeichnungen geschickt und mir gesagt, dass er Grafiken braucht, die das Geschriebene ausdrücken. Ich habe NICHTS verstanden, was auf seinen Vorlagen stand, weil es einfach so viel war und dann noch ein Thema, von dem ich absolut keine Ahnung habe. Dazu kam, dass er ganz verzweifelt war, weil er die Grafiken sehr dringend gebraucht hat und mich bat, so schnell wie möglich alles umzusetzen. Seine Verzweiflung hat sich richtig in mir breit gemacht und ich fühlte mich wie gelähmt. Kurz habe ich mir überlegt, ob ich ihm einfach schreiben soll, dass ich den Auftrag nicht annehmen kann, weil ich gerade zu viel zu tun habe. Was aber gelogen gewesen wäre. Ich habe schon genügend zu tun momentan, aber ich wusste, dass ich auch dafür noch Zeit finden würde. Bis Mitternacht sass ich vor meinem Mac und habe mir nur überlegt, was ich damit bitte machen soll. Ich fand keine Antwort und habe mich schlussendlich dazu entschieden, schlafen zu gehen und das morgen in Ruhe anzuschauen.

Heute morgen als ich mich dann an die Aufgabe setzte funktionierte auf einmal alles einfach so. Es fiel mir unglaublich leicht, das alles umzusetzen. Es hat zwar Zeit gebraucht und ich habe den ganzen Vormittag damit verbracht, aber es lief! Am Abend zuvor habe ich einen Termin um 11.30 Uhr mit dem Kunden ausgemacht, damit ich ihm noch einige Fragen stellen konnte, damit ich in dem Wirrwar überhaupt mal eine Struktur erkennen konnte. Diesen Termin habe ich in meiner kompletten Verworrenheit ausgemacht und hatte immer noch im Hinterkopf, dass ich den Auftrag auch einfach ablehnen konnte. Heute, um 11.00 Uhr morgens hatte ich schon so viel gemacht, dass ich beim Termin nur noch einige ergänzende Fragen hatte und ihm schon 3 von 4 Grafiken zeigen konnte, bei dem er sich nur noch einige Punkte an Content überlegen musste, damit ich das noch integrieren konnte. Es ist mittlerweile Freitag, 18.30 Uhr und ich habe den kompletten Auftrag abgeschlossen. Ich war fast den ganzen Tag damit beschäftigt, aber ich habe es geschafft!

Jetzt, wenn ich auf die Situation von gestern zurückschaue, weiss ich genau, wovor ich solche Angst hatte. Ich hatte Angst davor, das alles nicht gut genug zu machen. Denn etwas habe ich nicht erzählt: Der Kunde rief  mich mittags an und erzählte, dass ich von jemandem empfohlen wurde, der das blaue vom Himmel hinab geschwärmt hat, als er über mich sprach. Dass ich die Beste sei und unglaublich effizient dazu. DAS hat mich so sehr unter Druck gesetzt und mir das Gefühl gegeben, dass ich diese Erwartungshaltung niemals befriedigen kann. Denn ich sehe mich keineswegs als „die Beste“. Jeder normale Mensch hätte sowas wohl als Kompliment genommen. Ich nicht. Ich fühlte mich davon so gestresst und bekam unglaublich Angst, diesen Auftrag überhaupt anzunehmen.

Sammy C - Angst, ich habe Angst

Photo by M.T ElGassier on Unsplash

Angst überwinden mit einem klaren Kopf

Ich glaube, dass wir mit einem klaren Kopf viel weniger Angst haben. Ich bin nämlich so jemand, der immer denkt ich muss alles sofort erledigen und anpacken. Wenn ich nicht beim Lesen der Aufgabe schon die Lösung im Kopf habe, drehe ich fast durch. Und genau das ist mir in den letzten Tagen extrem aufgefallen. Wenn ich einen klaren Kopf habe und die Aufgaben so anpacke, habe ich niemals solche Problem damit und finde gute Lösungen und habe SPASS an der Arbeit. Eigentlich liebe ich ja alles, was ich mache. Ich habe es mir so ausgesucht und lebe meinen Traum! Aber diesen Traum mache ich mir selbst immer wieder mal zum Alptraum. Einfach weil ich ständig denke, dass ich die Erwartungen der Leute nicht erfüllen kann.

Eine andere komische Angst begegnete mir auch heute Nachmittag. Ich habe mir meine Lieblingsleggings angezogen (oh wow ich merke jetzt schon, wie strange die Geschichte wird 😂) und dazu ein bauchfreies Shirt. Zuhause habe ich mich super wohl damit gefühlt. Als ich dann in der Stadt einkaufen war, fühlte ich mich gar nicht mehr gut damit. Ich hatte ständig das Gefühl, dass mich alle Leute schräg anschauen, oder dass irgendwas richtig bescheuert aussieht. Und das nur, weil es für mich ungewohnt war, so rauszugehen, weil ich normalerweise eher der „Oversize-typ“ bin und immer mit zu grossen Hoodies rumlaufe, statt mit enger Kleidung, die dann dazu noch bauchfrei ist. Als ich im Zug sass war das ein mega Problem für mich und ich wäre am liebsten wieder umgedreht, um mich umzuziehen – und das, obwohl ich das Outfit richtig mochte! Ich bin introvertiert as fuck und fühlte mich damit, als würde ich mich selbst verarschen, weil mich die Leute so mehr wahrnahmen, als sonst. My mind is a strange place. Jetzt, wo ich wieder Zuhause bin schüttle ich selbst den Kopf bei diesen Gedanken. Es ist nur ein Outfit. Mehr nicht. Und das kann sowas auslösen. Crazy.

Warum ich das hier teile? Weil ich WEISS, dass ich damit nicht alleine bin. Das hier ist ein Ort, an dem jeder so sein darf, wie er ist. Ich muss mich manchmal auch selbst wieder daran erinnern, aber dieser Blog ist da, um genau solche Gedanken zu teilen und aufzuzeigen, dass das okay ist. All das. Egal wie bescheuert es auch sein mag. Schlussendlich sind solche Ängste und Gedanken nicht sinnloser wie Angst vor Spinnen zu haben. Meistens haben wir doch sowieso nur Angst vor Situationen, die keinen ausser uns selbst interessieren. Niemandem sonst würde irgendwas komisches oder negatives auffallen, aber wir machen uns zuerst einmal so viele Gedanken, dass wir einen Roman darüber schreiben könnten.

Und damit beende ich diesen Artikel hier auch wieder. Hätte nicht gedacht, dass heute so viele Worte aus meinen Fingern kommen, aber da sind sie. Es tut so gut, mal wieder was geschrieben zu haben! Und ich werde das hier veröffentlichen, auch wenn es sich in diesem Moment mega strange anfühlt, weil so lange nichts mehr kam.

Oh und in diesem Moment fällt mir gerade noch so eine Angst ein: Wenn ich irgendwas mache, das ich noch nicht wirklich kann, dann erzähle ich es keinem. Einfach, weil ich nicht das Gefühl auslösen will, dass ich gut darin bin, weil ich sonst das Gefühl habe, irgendwelche Erwartungen erfüllen zu müssen. Wenn ich also morgen anfangen würde Klavier zu spielen, würde ich das sehr wahrscheinlich für mich behalten, einfach weil ich nicht will, dass jemand denkt, ich kann Klavier spielen. Weil ich sie sonst enttäuschen müsste mit meinen nicht vorhandenen Skills. 😂

Schon krass, was passiert, wenn wir uns eine Zeit lang nicht mehr mit unseren unterbewussten Ängsten befassen, weil gerade alles gut läuft und wir uns irgendwie sicher fühlen. Aber ich bin froh, dieses Bewusstsein dafür wieder zurück zu haben. All das, was ich hier jetzt erzählt habe wird nämlich von Tag zu Tag immer weniger schlimm und die Angst verschwindet.

Manchmal müssen wir uns nur daran erinnern, WARUM wir mit etwas angefangen haben und die Angst, die immer wieder dazwischen kommt, als Challenge annehmen und sie besiegen. Denn Angst ist nicht real. Sie existiert nur in unserem Kopf.

Und btw: Das beste an diesem Artikel ist, dass ich vor 2 Jahren einen Beitrag geschrieben habe, in dem ich aufgeschrieben habe, wie man solche Ängste überwindet. U see… es ist wichtig, dabei zu bleiben. Die Lösung kennen wir doch alle. Aber an der Umsetzung mangelt’s manchmal 🙂

Can u relate? Ich würde mich über deine Gedanken oder Erfahrungen freuen! Hinterlass‘ mir gerne einen Kommentar. Love to connect with you! ❤️


Hier kannst du dir mein Buch „Der kleine Lifechanger – 7 Lifehacks für den Alltag“ bei Amazon herunterladen.

Damit du nie mehr einen Blogartikel, eine Podcast Folge oder Videos verpasst, habe ich auf Telegram einen Channel eingerichtet, der dich immer sofort informiert, wenn’s was Neues zum Lesen gibt.  Es würde mich sehr freuen, wenn du auch dabei bist ! Hier geht’s zum Channel: Get inspired.  

Hier findest du mich & meine Gedanken bei Instagram.<3
Das ist mein Podcast. Hier teile ich immer wieder spontane Gedanken und kurzen Folgen. 
& Hier bei YouTube.